Auf der Baustelle: Weniger Staub aufwirbeln!

Geschätzte Lesedauer: 7 Minuten

Schlitzen, Bohren, Stemmen, Fräsen – diese Tätigkeiten stehen für dich im Elektrohandwerk auf der Tagesordnung. Doch diese Arbeiten können auf Dauer zu einer echten Gefahr werden. Schuld daran sind gesundheitsgefährdende Stäube. Sie entstehen insbesondere beim Bedienen handgeführter Maschinen und Geräte – zum Beispiel beim Schlitzen von Nuten für Elektroleitungen oder wenn du Löcher für Schalter- und Verteilerdosen setzt. Atmest du Staubpartikel ein, gelangen diese abhängig von ihrer Größe in die Atemwege, die Bronchien oder sogar in die Lungenbläschen. Warum du Staub vermeiden und reduzieren solltest und wie du dich am besten schützt, erfährst du hier.

Auf dem Bau ist höchste Vorsicht geboten
Wusstest du eigentlich, dass beim Abrieb von Bremsen und Reifen die Feinstaubwerte genauso hoch wie auf der Baustelle sind? Die komplette Staubbelastung auf einer Baustelle ist bei der Elektroinstallation im Vergleich zum Straßenverkehr sogar circa 70 Mal höher. Dabei birgt einatembarer Staub die Gefahr von Atemwegserkrankungen und Entzündungen. Quarzfeinstaub kann sogar eine chronisch schädigende Wirkung auslösen. Dass eine dauerhafte Belastung des Atmungsapparats durch Staub ungesund ist, belegen auch verschiedene Statistiken zu Berufskrankheiten, die unter anderem auf Angaben der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen beruhen. Zu den häufigsten Erkrankungen gehören Atemwegsbeschwerden, Allergien und eine durch Quarzstaub hervorgerufene Staublunge.

Wie hoch das Gefährdungspotential ist, hängt von den stoffspezifischen Eigenschaften, der Partikelgröße und der aufgenommenen Staubmenge ab. Dabei spielen natürlich auch die Höhe der Staubkonzentration sowie die Dauer, die du dem Staub ausgesetzt bist, eine bedeutende Rolle. Sind Beschäftigte beispielsweise jahrelang hohen Staubmengen ausgesetzt, wird möglicherweise der natürliche Reinigungsprozess der Lunge nachhaltig geschädigt. Aber auch eine kurzzeitig sehr starke Belastung kann zu Erkrankungen führen.

Staub ist nicht gleich Staub
Geht es um den Staub auf der Baustelle, ist meist von mineralischem Staub die Rede. Dieser entsteht in erster Linie bei der Gewinnung, Be- oder Verarbeitung natürlich vorkommender Mineralien und Gesteine wie Kalkstein, Basalt oder Sandstein. Unterschieden wird – gemäß DIN EN 481 – zwischen einatembaren (E-Staub, früher Gesamtstaub) und alveolengängigen (A-Staub, früher Feinstaub) Stäuben. Beide werden über die Atemwege durch Mund und Nase aufgenommen. Die A-Variante kann dabei bis in die Bronchien und Alveolen vordringen. Der Ablagerungsort hängt vom aerodynamischen Durchmesser der Partikel ab. Sind diese unter 5 Mikrometer (µm) groß (A-Staub) gelangen sie bis in die Lunge. Die Halbwertszeit unlöslicher Partikel liegt dort bei bis zu 400 Tagen, so dass der Staub die Lungenbläschen über lange Zeit verkleben kann. Auf den Bronchien lagern die Partikel immer noch einige Stunden. E-Staub liegt bei unter 100 µm, ist jedoch deutlich gröber als A-Staub. Er wird in der Regel von den Nasenhärchen oder den Schleimhäuten des Nasen-Rachen-Raums abgefangen.

Kenne deine Grenzen
Ausgehend davon, dass du durch deine Arbeit an fünf Tagen die Woche jeweils etwa acht Stunden lang Staub ausgesetzt bist, solltest du dich also bestmöglich schützen. Dies ist übrigens auch gesetzlich gefordert: So hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales Arbeitsplatzgrenzwerte für die durchschnittliche Konzentration eines Stoffes in der Luft festgelegt, die es einzuhalten gilt. Diese wurden zuletzt 2014 angepasst. Der Grenzwert für E-Staub blieb weiterhin bei 10 Milligramm pro Kubikmeter (mg/m³), während der A-Staub von 3 mg/m³ auf 1,25 mg/m³ bei einer mittleren Dichte von 2,5 Gramm pro Kubikzentimeter (g/cm³) reduziert wurde. Bei Materialien mit höherer oder niedrigerer Dichte kann eine Umrechnung erfolgen. Wie kann man sich das vorstellen? Ein einfacher bildlicher Vergleich hilft: In einer Regentonne mit einem Fassungsvermögen von 1.000 Litern darf der A-Staub in etwa den Raum einer Stecknadel einnehmen. Beim B Staub entspricht der Anteil etwa einer Stecknadel im 8.000 Liter fassenden, mittelgroßen Pool. Das klingt nach einem wirklich sehr geringen Wert, oder? Dann kannst du dir sicherlich auch vorstellen, dass dieser in einem geschlossenen Gebäude schnell überschritten ist. Gehen wir beispielsweise von einem etwa 20 Quadratmeter großen Raum mit einer Deckenhöhe von 2,5 Metern aus, entspricht dies circa 50 Kubikmetern. Heißt: Hier dürften etwa 50 (A-Staub) beziehungsweise lediglich sechs (B-Staub) kleine Stecknadeln verteilt werden. Deshalb beschäftigen wir uns im Folgenden mit zwei Fragen: Wo entsteht der Staub – und wie kann man ihn möglichst vermeiden?

Produkte für staubarmes Arbeiten
Mach‘s richtig: Nutze staubarme Systeme und Geräte, um dich und deine Kolleginnen und Kollegen zu schützen. Foto: ITW Befestigungssysteme

Woher kommt der Staub?
Eine unzureichende Pflege, Wartung und Prüfung der Gerätetechnik sowie die Verwendung systemfremden Zubehörs können zur erhöhten Staubproduktion beitragen. Auch schlechte Lüftungsbedingungen und das Arbeiten in sehr kleinen Räumen erschweren das Einhalten der Grenzwerte. Führst du Sanierungsarbeiten in Altbauten durch, kommt oftmals ein großer Putzanteil auf den Wänden hinzu, der wiederum eine höhere Staubproduktion verursacht. Auch eine schlechte Umsetzung von Maßnahmen für staubarmes Arbeiten können Grund für eine Grenzwertüberschreitung sein. Wie kannst du dich also schützen?

Befestigung von Schellen im Trockenbau auf Betondecke
Nageln statt bohren: Entscheide dich, wo es möglich ist, immer für die staubarme Variante. Foto: ITW Befestigungssysteme

Wie lässt sich Staub reduzieren?
Zunächst einmal kannst du dafür sorgen, dass dein Arbeitsplatz leicht zu reinigen und somit stets möglichst sauber ist – der Staub also nicht über längere Zeit liegen bleibt. Hierbei solltest du allerdings auf einen einfachen Besen verzichten: Saugen statt Kehren lautet die Devise. Denn letzteres würde die Partikel unnötig aufwirbeln. Außerdem sollte ein Großteil des Staubs bereits während der Arbeiten beispielsweise über einen Luftreiniger oder Sauger abtransportiert und entsorgt werden. Achte außerdem darauf, Trennscheiben und Co. rechtzeitig zu wechseln oder nachzuschärfen, um schnittfreudiges Werkzeug zu haben und die Staubproduktion zu reduzieren. Auch ist das Durchlüften geschlossener Räume ein wichtiger und zudem leicht umsetzbarer Faktor für ein gesundes Umfeld. Gerade in kleinen Räumen ist es ratsam, maschinelle Entstauber zusätzlich nachlaufen zu lassen. Deine verstaubte Arbeitskleidung solltest du regelmäßig waschen und bei Bedarf mit geeigneten Einrichtungen wie speziellen Luftduschkabinen abblasen. Ein Atemschutz, der mindestens der partikelfilternden Halbmaske der Klasse FFP2 entspricht, sollte deine persönliche Schutzkleidung neben Gehör-, Augen- und Handschutz ergänzen. Dies ist insbesondere bei Arbeiten in Zwischendecken beim Stemmen mit dem Kombihammer oder beim Dosensenken ohne Absaugung erforderlich. Alternativ kannst du auf Mehrweg-Halbmasken mit auswechselbaren P2- oder P3-Filtern zurückgreifen. Diese sind übrigens auch für Brillenträger besser geeignet. Weitere Informationen zu möglichen Alternativen, Handlungshilfen und Branchenlösungen stellt dir außerdem die BG Bau unter www.staub-war-gestern.de zur Verfügung.

Einsatz von Schlitzfräse an Betonwand
Arbeiten mit System: Um Staub von Anfang an möglichst effizient zu vermeiden und direkt abzutransportieren, nutzt du am besten die Kombination aus Werkzeug und Sauger. Foto: ITW Befestigungssysteme

Setze auf das richtige Werkzeug
Wie bereits erwähnt, gehören Sauger und Entstauber zur Grundausrüstung, wenn es um staubarmes Arbeiten geht. Diese solltest du regelmäßig auf ihre Funktionen prüfen und gegebenenfalls warten (oder sie prüfen und warten lassen.) Wichtig ist außerdem, dass du bei allen Gerätschaften nur das dafür vorgesehene Zubehör verwendest und die Vorgaben des Herstellers beachtest. Zudem kannst du dir mobile Absaugvorrichtungen zulegen, um Staub direkt und vollständig aufzunehmen. Übrigens gibt es auch Werkzeuge wie zum Beispiel Hammerbohrer mit bereits integrierter Absaugung, die den Staubgehalt in der Luft von Anfang an geringhalten. Sämtliche Geräte solltest du möglichst oft säubern und so Ablagerungen vermeiden. Um die Freisetzung sowie eine Aufwirbelung von Staub selbst beim Reinigungsvorgang zu minimieren, greifst du am besten auf Feucht- und Nassverfahren zurück oder verwendest Staubsauger und Entstauber. Letztere müssen von einer Prüfstelle bauartgeprüft sein und mindestens der Staubklasse M – und bei krankheitserregenden Stäuben der Klasse H – entsprechen.

Staubsauger und Entstauber der M-Klasse
Beim Reinigungsvorgang solltest du auf Feucht- und Nassverfahren oder bauartgeprüfte Staubsauger und Entstauber der M-Klasse zurückgreifen. Foto: ITW Befestigungssysteme

Organisation ist das A & O
Wie du siehst, gibt es einiges zu berücksichtigen. Doch was auf den ersten Blick vielleicht sehr aufwändig und komplex erscheint, ist in der Praxis weitgehend schnell und problemlos umsetzbar. Problematisch kann es bei der Organisation auf der Baustelle werden. Denn um eine zu hohe Staubkonzentration in der Luft zu vermeiden, müssen sich Gewerke auch untereinander absprechen und zum Beispiel Zeitfenster für verschiedene, staubproduzierende Arbeiten koordinieren. Hier kommt es auf das Verhalten jedes einzelnen Beschäftigten vor Ort an. Auf eine Unterweisung solltest du daher auf keinen Fall verzichten. Für Arbeiten unter ungünstigen Einflussfaktoren sowie für die Verwendung spezieller Atemschutzmasken ist außerdem eine arbeitsmedizinische Vorsorge erforderlich.

Gemeinsam für die Gesundheit
Das Einhalten der meisten Maßnahmen verantwortet im Regelfall der jeweilige Vorgesetzte, wobei sämtliche Mitarbeiter natürlich auch selbst zu einer gesunden Arbeitsumgebung beitragen können und müssen. So ist es ratsam, sich über die Abfolgen seiner eigenen Arbeiten Gedanken zu machen. Beispiel gefällig? Als Elektroinstallateur solltest du Fräsarbeiten in Hochlochziegeln möglichst vor dem Dosensenken durchführen. Denn Messungen des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit zeigten, dass der Staubaustrag durch die bereits vorhandenen Maueröffnungen in den Raum erhöht wird, wenn du die Arbeiten andersherum ausführst. Aufgaben wie das Herausbrechen von Stegen nach dem Schlitzen lassen sich außerdem manuell handhaben, um die Staubproduktion insgesamt zu reduzieren. Zudem kannst du dir überlegen, ob Bohrungen zum Beispiel für Schellen und Kabelkanäle zwingend erforderlich sind oder sich durch Nageln mit Nagelgeräten gegebenenfalls ersetzen lassen. Diese Alternative sorgt übrigens nicht nur für weniger Staub und reduziert somit die Reinigungsarbeiten, sondern ist auch schneller. Zudem ist es immer empfehlenswert, sich über spezielle Schutzmaßnahmen zu informieren und so auf dem Laufenden zu bleiben. So bekommst du auch Änderungen bestimmter Anforderungen mit und kannst dein Werkzeug bei Bedarf an den Stand der Technik anpassen. Denn Lösungen, die zum staubarmen Arbeiten beitragen, gibt es bereits. Unter www.staubarm.de sind ein paar Beispiele hierzu aufgeführt. Dort erfährst du auch noch einiges mehr zum Thema. Um einen Rückgang der Berufskrankheiten zu erzielen, gewährt die BG Bau vielen gewerblichen Mitgliedsunternehmen finanzielle Anreize: So fördert sie unter anderem die Anschaffung von Bau-Entstaubern, Vorabscheidern und Co. Informationen hierzu erhältst du unter www.bgbau.de/praemien.

Dosensenkung mit Kernbohrgerät mit integrierter Absaugung
Staubfrei Dosen senken: Kernbohrgeräte mit bereits integrierter Absaugung halten den Staubgehalt in der Luft gering. Foto: ITW Befestigungssysteme

Staubarmes Arbeiten ist möglich und erstrebenswert
Das Wichtigste auf einen Blick: Der Einsatz von Werkzeugen ohne direkte Absaugung – wie zum Beispiel von Stemm- und Bohrhammer oder Schlitzfräse – führt schnell zur Überschreitung der Arbeitsplatzgrenzwerte. Wichtig ist daher insbesondere das Verwenden abgestimmter Bearbeitungssysteme wie zum Beispiel die Kombination aus Mauernutfräse und Entstauber. Aber auch organisatorische Maßnahmen wie die Koordination bestimmter Gewerke und Arbeitsabläufe spielt eine entscheidende Rolle. Hier sollte wirklich jeder auf seine Arbeitsweise und seinen Umgang mit staubproduzierenden Werkzeugen und Maschinen achten. Denn die Partikel in der Luft sind nicht nur lästig und erhöhen den Arbeitsaufwand durch Reinigungsarbeiten, sondern sind vor allem auch gefährlich. Mal abgesehen davon trägt eine saubere Baustelle auch zu einem besseren Firmentauftritt vor dem Kunden bei – findest du nicht auch? Damit du prüfen kannst, wie staubarm du arbeitest, haben wir dir übrigens eine Checkliste erstellt. Dir fehlt etwas? Dann lass uns gerne wissen, wie du zusätzlich für weniger Staub am Arbeitsplatz sorgst – und was du anderen empfehlen kannst!

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Staub auf der Baustelle ist nicht nur lästig, sondern auch gefährlich. Entscheide dich daher für die saubere und sichere Seite.
Video: ITW Befestigungssysteme
Checkliste für staubfreies Arbeiten

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