Aufstieg und Spezialisierung im Handwerk

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Nach der Gesellenprüfung als Führungskraft Karriere machen

Hinter jedem zukunftsfähigen mittelständischen Betrieb stehen konzeptionelle Planungen zur Weiterbildung, damit Mitarbeiter über Qualifikationen im Unternehmen mitwachsen können. Ob Dachdecker, Zimmermann, Spengler oder Elektroinstallateur – das Handwerk lockt mit vielen attraktiven Weiterbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten und Auszubildende zeigen großes Interesse an den vielfältigen Karrierechancen.

Wer für seinen Job brennt und Karriere machen möchte, kann zwischen dem Aufstieg zum Fachexperten, der Führungskraft im Unternehmen oder selbstständiger Unternehmertätigkeit wählen. Durch ein systematisch miteinander verzahntes Aus- und Weiterbildungsgerüst sind die Berufsaussichten mit dem hochschulischen Bildungsweg gleichzusetzen und bieten vielversprechende Chancen. Gut ausgebildete Fachkräfte sind gefragter denn je; was heute noch höchsten Ansprüchen genügt, ist morgen nicht mehr wettbewerbsfähig. So investieren Betriebe in digitalen Fortschritt, nutzen E-Learning Schulungen und gezielte Weiterbildung für die Qualifizierung der Mitarbeiter, bleiben somit hochaktuell und sichern ihre Marktfähigkeit.

Maßgeschneiderte Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten im Handwerk bieten die Bildungszentren der Handwerkskammern. Video: Handwerkskammer.de

Die Arbeitsmarktchancen für geschulte Handwerker sind hervorragend und die Erwerbslosenquote von Meistern, Technikern oder Betriebswirten liegt sogar unter der von Akademikern. Hinzu kommt: Führungskräfte im Handwerk sind begehrt und in den kommenden Jahren suchen unzählige Betriebe einen neuen Chef.

Meister mit Perspektive
Der Meisterbrief hat eine lange Tradition und steht für fachliche Exzellenz. Neben dem klassischen Weg der Lehre und Gesellenprüfung gehören Prüfungen zum Meister – mit anschließender Option auf ein Studium – zu den neuen Zielen der jungen Generation. Der Meistertitel als Eintrittskarte in unternehmerische Führungspositionen verschafft echte Aufstiegschancen und bietet finanziell völlig neue Möglichkeiten. Meister im Handwerk sind Ausbilder, Unternehmer oder Betriebsleiter und stehen gesamtgesellschaftlich für Vertrauen und Expertise in ihren Fachbereichen. Neben kundenorientiertem Handeln und fachkompetenter Betriebs- und Personalführung kennt der Meister sich auch in Betriebswirtschaft bestens aus. Studien haben gezeigt, dass sich Meisterbetriebe länger am Markt behaupten, mehr Aufträge  erhalten und ihre Arbeit von Kunden besser bewertet wird.

In Meisterschulen werden Handwerker auf die Meisterprüfung vorbereitet.
In Meisterschulen und Bildungseinrichtungen werden die Anwärter in Voll- und Teilzeit auf die vierteilige Meisterprüfung vorbereitet. Foto: ITW Befestigungssysteme GmbH

Der deutsche Meisterbrief ist weltweit als Gütesiegel für Fachwissen und Können bekannt und deutsche Handwerksmeister sind auch im Ausland gefragte Experten. Innerhalb der EU ist die Meisterqualifikation anerkannt und Handwerksmeister können damit in der Regel ohne Probleme in der gesamten EU arbeiten.

Nach der Weiterbildung zum Meister ist noch lange nicht Schluss. Geprüfte Betriebswirte übernehmen z.B. kaufmännische Führung und gehen nach ihrem Abschluss vor der Industrie- und Handelskammer mit Master Niveau in den Arbeitsmarkt. Die Fortbildung zum/zur IHK Betriebswirt/-in im Handwerk ergänzt das Wissen aus der Meisterprüfung. In dieser Fortbildung werden Kenntnisse vermittelt, die für Betriebsführung wichtig sind. Zu den Inhalten gehören beispielsweise Personalwesen, Kalkulation oder Marketing. Die Weiterbildung kann in Teil- und Vollzeit absolviert werden und hat einen Umfang von rund 700 Stunden.

Interesse am Meister oder Master im Handwerk? Beim Handwerksblatt findest du eine Datenbank mit Fortbildungsmöglichkeiten und Meisterschulen.

Spezialisten ohne Meister – Als Geselle studieren

Berufliche Spezialisierungen bieten eine attraktive Alternative zur Meisterschule, denn nach der erfolgreich abgelegten Gesellenprüfung stehen alle Türen offen. Ambitionierte Gesellen könnenbeispielsweise die Fachhochschulreife bzw. das Fachabitur mit einer (abgeschlossenen) (Berufs-) Ausbildung in allen deutschen Bundesländern nachholen. Schnell geht das vor allem dann, wenn zusätzlich der mittlere Schulabschluss vorhanden ist, der auch durch die Berufsausbildung selbst erlangt worden sein kann. Mit der Fachhochschulreife sind – ohne Meistertitel – die Zugangsvoraussetzung für ein Fachhochschulstudium erfüllt.

Übersicht der Karrierewege im Handwerk.
So erreichst du dein Ziel von der Ausbildung zum Meister-Plus – Bei Das Handwerk findest du mit einem Klick deinen persönlichen Karriereweg. Foto: Zentralverband des Deutschen Handwerks e. V. (ZDH)

Für wen Studium oder Meister im Handwerk nicht in Frage kommt, kann sich nach der Gesellenprüfung in speziellen Anwendungsbereichen qualifizieren und z.B. als „geprüfter Energiemanager“ mit Nachhaltigkeit, dem Umweltschutz und der Energiewende auseinandersetzen. Eine abgeschlossene Ausbildung, mindestens drei Jahre Berufserfahrung, technisches, kaufmännisches und mathematisches Verständnis sowie die Fähigkeit mit Normen und Berechnungen umzugehen, sind hierfür die Voraussetzung.

Interessant ist auch die Weiterbildung zur „Fachkraft für erneuerbare Energien“. Die Voraussetzungen machen den Einstieg leichter: Eine abgeschlossene Ausbildung im Bereich Bau- und Ausbaugewerk, Versorgungstechnik oder Elektrotechnik plus Berufserfahrung sind hier gefragt.

Gut zu wissen: Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat im Rahmen der „Nationalen Weiterbildungsstrategie“ verschiedene Förderprogramme ins Leben gerufen, die Unternehmen und Arbeitnehmer unterstützen. So können zum Beispiel durch anteilige Übernahme von Lehrgangskosten oder Arbeitsentgeltzuschüssen viele Euros gespart werden. Aktuelle Informationen zur Weiterbildungsförderung erhalten Betriebe unter anderem bei Handwerkskammern und Fachverbänden.

Handwerk 4.0: digital in die Zukunft
Durch die rasante und anhaltende Digitalisierung entstehen parallel Wissenslücken bei Mitarbeitern und Angestellten, die ständig nachgeschult werden müssen. Mit E-Learning – der modernsten Form des Lernens – eröffnen sich neue Chancen für handwerkliche Betriebe. Die Bildungsangebote zielen auf die Branche ab, können bequem am Arbeitsplatz genutzt werden und eröffnen zukunftsweisende, wichtige Bildungschancen. So können Ausbilder ihren Gesellen zu Meisterwissen verhelfen oder bei älteren Mitarbeitern Wissens-Tuning durchgeführt werden. Durch In-House Schulungen, E-Learning Angebote, Webinare oder Blended Learning-Maßnahmen (Kombi aus Präsenz- und Online-Lernangebot) sparen Unternehmer sogar kostspielige Fahrten ihrer Angestellten zu Bildungseinrichtungen und Mitarbeiter nutzen flexibel ihre Zeit im Betrieb, um in ihre Zukunft zu investieren. Inzwischen bieten bereits einige Lieferanten/Baustoffhersteller eigene Lernplattformen mit Anwendungsschulungen an -> hier zum Beispiel das interactive Lerncenter von Rheinzink.

Zur Nutzung von E-Learning-Angeboten reicht ein Notebook oder auch ein Tablet oder Smartphone.
Die nötige technische Ausstattung ist überschaubar: Zum Abrufen von Online-Inhalten genügt ein einfacher Office-PC, ein Notebook oder – je nach E-Learning- Maßnahme – auch ein Tablet oder Smartphone. Foto: ITW Befestigungssysteme GmbH

E-Learning-Anbieter

Du kannst mit professionellen E-Learning-Anbietern, über die Handwerkskammern oder Zentralfachverbänden zusammenarbeiten. Die Kosten variieren und sind abhängig von Kurs und Länge der Maßnahme. Eine weitere Möglichkeit ist der Aufbau einer eigenen digitalen Lernplattform: hier können Unternehmen Lernmanagementsysteme mieten oder kaufen, auf denen dann eigene Lerninhalte abgelegt werden.


Auf unserem Blog findest du noch weitere Entscheidungshilfen, Tipps und Hintergrundinfos rund um den Arbeitsalltag im Handwerk. Teile diesen Beitrag gerne mit Kolleginnen und Kollegen.

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